Zaza Siteler

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Zaza

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Dieser Artikel beschreibt die Ethnie der Zaza. Für den gleichnamigen Popsänger siehe: ZaZa
Zaza
Gesamtpopulation

3 Millionen - 4 Millionen

Gegenden mit größeren Populationen
Türkei Türkei 2,8 Millionen - 3,2 Millionen (2008) [1]
EU EU 250.000 - 400.000 (2009)  
Sprache

Zazaki, Türkisch, Kurdisch

Verwandte ethnische Gruppen

Andere Iranische Völker, speziell Gilaker, Kurden, Mazandaraner und Perser

Religion

je zur Hälfte in Aleviten und Sunniten

Die Zaza sind eine Volksgruppe in Ostanatolien, sie werden auch Dimili, Kirmanc oder Kird genannt. Ihre Zahl wird auf 3 - 4 Millionen geschätzt, ihre Muttersprache sprechen 2 - 3 Millionen. In Deutschland gibt es schätzungsweise 250.000 - 400.000 Zaza.

Inhaltsverzeichnis

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Herkunft [Bearbeiten]

Nach einer These des deutschen Iranisten Friedrich Carl Andreas von 1906 waren die im südkaspischen Gebiet lebenden parthisch-stämmigen Dailemi (Dêlemî) Vorfahren der Zaza, woraus sich eine der heutigen Bezeichnungen für die Zaza, nämlich "Dimli" erklären könnte. Diese These wurde schon vorher unabhängig vom armenischen Historiker Antranig 1880 vertreten und fand später Unterstützung vom russischen Orientalisten Vladimir Minorsky und von den deutschen Iranisten Oskar Mann und Karl Hadank.

Die Dailemi stammten aus der Region Dailam und waren im südlichen Küstengebiet des Kaspischen Meeres und im westlichen Khorasan ansässig. Sie stellten viel mehr ein Völkergemisch dar als ein homogenes Volk. Vom 5. bis zum 11. Jahrhundert wurden dort von ihnen mehrere kleine Staaten errichtet, wodurch sie eine wichtige Rolle in der iranischen Geschichte spielen. Die bekannteste dailemische Dynastie waren die persischen Buyiden, die im 10. und 11. Jahrhundert (945-1055) in Bagdad herrschten und das Kalifat weitgehend in ihrer Gewalt hatten. Nach mehreren historischen Berichten aus dem 9. und 10. Jahrhundert sprachen die Dailemi weder Persisch noch Arabisch. Von ihrer Sprache ist nichts erhalten geblieben, so dass die Identifikation von Dailemi und Zaza-Dimil eine Hypothese bleiben wird.

Sprache [Bearbeiten]

Diese Zaza-Sprache wird auch heute noch aus politischen und kulturellen Gründen oft als eine kurdische Sprache, ja sogar als ein „kurdischer Dialekt“ betrachtet. Dagegen stellt die Iranistik (die Wissenschaft der Erforschung der iranischen Sprachen) eindeutig fest: Zazaki ist eine eigenständige Sprache des nordwestlichen Zweigs der iranischen Sprachen, zu dem unter anderem auch die kurdischen Sprachen Kurmandschi und Sorani gehören. Innerhalb dieses nordwestlichen Zweiges bilden die kurdischen Sprachen – zusammen mit zentraliranischen Dialekten – eine genetische Untergruppe, das Zaza bildet demgegenüber zusammen mit dem Gorani eine selbständige Untereinheit Zaza-Gorani, die möglicherweise engere Beziehungen zum Belutschi aufweist. (Siehe unten die Klassifikation der nordwestiranischen Sprachen.)

Schon Sprachforscher des 19. Jahrhunderts (z. B. Peter Lerch) belegten, dass das Zazaki kein Dialekt des Kurdischen, sondern eine eigenständige Sprache innerhalb der iranischen Sprachfamilie ist. Dies bekräftigten die deutschen Iranisten Oskar Mann und Karl Hadank mit ihren vielfältigen Untersuchungen, aus denen 1932 die erste umfangreiche wissenschaftliche Grammatik des Zazaki unter dem Titel Mundarten der Zaza hervorging. Frühere Ansichten, Zazaki sei eine „kurdische Sprache im weiteren Sinne“ (so z. B. Ferdinand Justi 1880), gelten heute als überholt. (Näheres im Abschnitt zur Forschungsgeschichte.)

Die Zaza-Sprache weist auffällige Gemeinsamkeiten mit der ausgestorbenen mitteliranischen Sprache Parthisch auf, die das südwestiranische Persische und seine Vorgängersprachen nicht teilen. Allerdings kann man nicht nachweisen, dass das Parthische eine unmittelbare Vorgängersprache des Zaza gewesen ist.


Die folgende Klassifikation des Nordwestiranischen beschreibt genauer die sprachliche Stellung des Zaza und der kurdischen Sprachen:

  • Nordwestiranisch 24 Sprachen, 31 Mio. Sprecher
    • Medisch > Medisch † (altiranisch)
    • Parthisch > Parthisch † (mitteliranisch)
    • Kaspisch
    • Kurdisch-Zentraliranisch
      • Kurdisch > Kurmandschi (Nordwest-Kurdisch) (15-20 Mio), Sorani (Zentral-Kurdisch, Kurdi) (4 Mio), Südkurdisch (3 Mio)
      • Zentraliranisch > Tafreshi, Mahallati-Chunsari, Kashani-Natanzi, Gazi, Yazdi-Kermani-Nayini, Kaviri, Sivandi
    • Zaza-Gorani > Zaza (Zazaki, Kirmanjki, Kirdki, Dimli, 'So Be') (2 - 3 Mio), Gorani (Bajalani, Shabaki, Hawrami u.a.) (1,5 - 3 Tsd)
    • Belutschi > Belutschi (Baloči) (6 Mio)

Siedlungsgebiet [Bearbeiten]

Das Siedlungsgebiet der Kurden und Zaza im Osten der Türkei: Kurden, Zaza

Die Zaza sind ursprünglich im schwer zugänglichen Bergland Anatoliens beheimatet und leben von der Landwirtschaft und Viehzucht. Das Gebiet umfasst die Provinzen Adıyaman-Gerger, Bingöl, Bitlis-Mutki, Erzincan, Süd-Erzurum, Elazığ, Diyarbakır, Malatya-Arapgir und Malatya-Pötürge, Muş-Varto, Ost-Sivas, Şanlıurfa-Siverek, Tunceli sowie Aksaray und Kayseri-Sarız. Dazu kommen Diaspora-Gemeinden in den türkischen Metropolen wie Ankara, Istanbul, Izmir oder Mersin. In der großstädtischen Diaspora wird durch den Assimilationsdruck der Verlust der Muttersprache beschleunigt.

Zazas leben heute auch in Georgien und - nach der Deportation durch Stalin - in Kasachstan. In Europa, in kleinerem Umfang auch in Amerika und Australien, sind durch den Migrationsdruck des türkischen Staates große Diaspora-Gemeinden entstanden.

Die Lebensbasis der Zaza in Anatolien wurde auch in den letzten Jahren durch den Krieg der kurdischen Freiheitsbewegung und des türkischen Militärs aufgrund der häufigen Dorfräumungen stark angeschlagen oder gar völlig zerstört, so dass heute viele ehemalige Zaza-Dörfer leerstehen oder nur noch von alten Leuten oder nur im Sommer bewohnt sind.

Religion [Bearbeiten]

Die religiöse Aufteilung der Zaza im Osten der Türkei: Aleviten, Sunniten

Das Volk der Zaza teilt sich ungefähr zur Hälfte in Aleviten und Sunniten, wobei die südlichen Zaza in Adıyaman-Gerger, Bitlis-Mutki, West-Diyarbakir, Malatya-Pötürge, Şanlıurfa-Siverek sowie die aus Aksaray und Kayseri-Sarız Sunniten hanafitischer Rechtsschule, in Süd-Bingöl, Nord-Diyarbakir und Elazığ Sunniten schafitischer Rechtsschule sind. Die nördlichen Zaza sind hauptsächlich Aleviten und leben in Nord-Bingöl, Erzincan, Süd-Erzurum, Kars (Selim, Göle), Malatya-Arapgir, Muş-Varto, Ost-Sivas und Tunceli sowie in einigen Dörfern im Norden von Elazığ. Der religiösen Trennung entsprechend, verlaufen die 3 Hauptdialektgrenzen des Zazaki.

Selbst- und Fremdbezeichnungen der Zaza [Bearbeiten]

Von den Türken wurden die Zaza auf Grund der offiziellen Assimilationspolitik lange Zeit als Türken bezeichnet. Heute werden seitens des türkischen Staates zu den Kurden gerechnet. Auch manche Kurden halten die Zaza ethnisch, kulturell und linguistisch für Kurden.

Die folgende - sicherlich nicht vollständige - Liste gibt einen Überblick über die komplizierte Situation der Selbst- und Fremdbezeichnungen der Zaza und ihrer Sprache. Die Darstellung folgt J. Blau, Gurani et Zaza, im Compendium Linguarum Iranicarum (1989) und Z. Selcan, Grammatik der Zaza-Sprache (1998). Bei allen unterschiedlichen Bezeichnungen wird das Zaza in der Selbsteinschätzung seiner Sprecher meist klar vom Kurdischen getrennt. Bei den Aleviten spielt die Religionszugehörigkeit eine größere Rolle als die sprachliche Zuordnung, sie fühlen sich also kurdischen, türkischen oder arabischen Aleviten näher als nicht-alewitischen Zaza.

  • Zaza ist die Selbstbezeichnung der Zaza in Bingöl, Dara Henı, Piran, Elazığ und Sarız und in den großen türkischen Städten (Istanbul, Ankara, Izmir, Mersin). Ihre Sprache nennen sie Zazaki. Die Bezeichnung geht auf einen alten Stammesnamen zurück, der bereits um 1330 in der "Ahnentafel des Kures" dokumentiert ist. Auch der türkische Reisende Evliya Çelebi verwendete 1650 diese Bezeichnung für die Zaza-Stämme, die er in dieser Region Anatoliens vorfand.
  • Die Zaza der nördlichen Provinzen Dersim und Erzincan benutzen die Selbstbezeichnung Kırmanc (Kırmandj) und nennen ihre Sprache Kirmancki. Diese Bezeichnung lehnen dagegen die alevitischen Zaza der Provinzen Varto, Hınıs und Zara ab, weil sich die sunnitischen Kurden dieser Region ebenfalls als Kurmanc oder Kirmanc bezeichnen. Die alevitischen Dimilen bezeichnen die sunnitischen Kurden ihrerseits als Kuŕ oder Kurmanc und die alewitischen Kurden als Kirdas (ihre Sprache als Kirdaski).
  • Die Zaza der südlichen Provinzen und Landkreise Siverek, Çermik und Gerger nennen sich Zaza oder Dimili und werden auch von den dort lebenden Kurden meist so bezeichnet. Der Name Dimili weist auf einen Bezug der Zaza zum Ethnikon Daimeli hin (s.o. unter "Herkunft").
  • In den Provinzen Kayseri, Sivas und Malatya wird die Zaza-Sprache von den Kurden als Gini bezeichnet, was auf einen dort ansässigen Zaza-Stamm zurückgeht.
  • In der Provinz Bingöl nennen sich (nach Blau) einige wenige Stämme der Zaza auch Kird und sprechen Kırtki, während sie die Kurden als Kurmanc bezeichnen.
  • Für einen sunnitischen Zaza sind die alewitischen Zaza - wie auch die alewitischen Kurden, Türken und Araber - Kizilbaş ("Rotköpfe").
  • In der Provinz Dersim tragen die Zaza auch den Spitznamen So-Bê "geh - komm". (Auch die Kurmanc tragen in Dersim den Spitznamen Here-were, was auf Kurmanci ebenfalls geh-komm bedeutet. Allerdings gibt es auch die Formen "Biçe-Bê" im Kurmanci)

Bekannte Zaza [Bearbeiten]

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Ludwig Paul: Zazaki, (Grammatik und Versuch einer Dialektologie), Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 1998
  • Firat, Gülsün: Sozioökonomischer Wandel und ethnische Identität in der kurdisch-alevitischen Region Dersim Vorwort: Günther Schlee. 1997.
  • J. Blau: Gurani et Zaza. In: Rüdiger Schmitt (Hrsg): Compendium Linguarum Iranicarum. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 1989
  • Rüdiger Schmitt: Die iranischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2000. (Sozusagen das „Kleine Compendium“)
  • Faruk Iremet: Zonê Ma Zazaki (Unsere Sprache Zazaisch), Sprachverschiedenheiten Zazaisch-Kurdisch-Türkisch, Stockholm, İremet Verlag, 1996, ISBN 91-972069-8-9

Peter Alford Andrews, Ethnic Groups in the Republic of Turkey, Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden, 1989. (ISBN 3-89500-297-6)

Weblinks [Bearbeiten]


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